Straumann® BLT – Bone Level Tapered ø 2,9 mm (das „SmallOne“)

Unterkiefer Frontzahndoppellücke mit Straumann® BLT ø 2.9mm SC Implantaten

Ein klinischer Fallbericht von Beat R. Kurt, Schweiz

Dieser Fallbericht dokumentiert erste Erfahrungen mit den Straumann® Bone Level Tapered ø 2.9 mm SC Implantaten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese schmalen Implantate die Produktlinie von Straumann vorzüglich ergänzen, um auch schmale Lücken ideal versorgen zu können.

Autor: Beat R. Kurt

Portrait Dr. Beat R. Kurt, Luzern

Dr. med. dent. Beat R. Kurt

Fachzahnarzt in Oralchirurgie
WBA orale Implantologie SSO
Überweisungspraxis, Luzern (Schweiz)
Schwerpunkt: Guided Surgery
Internationaler Referent für Swissmeda

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Ausgangslage

Nach Abschluss der kieferorthopädischen Behandlung wurde der 19 jährige Patient zur Versorgung der Unterkieferfrontlücke, bei Nichtanlage der beiden Zähne 31 und 41, mit Implantaten überwiesen. Klinisch zeigte sich eine Schaltlücke zwischen 32 und 42 mit einem relativ schmalen Anteil angewachsener Gingiva und einem konkavem Kammverlauf in der Frontmitte. (Abb. 1)
Die Panoramaschichtaufnahme zeigte eine schöne vertikale Knochenhöhe im diesem Bereich. (Abb. 2)
Eine provisorische Versorgung der Lücke war nicht vorhanden, zur Retention wurden vom Kieferorthopäden auf die Zähne 32, 33 und 42, 43, bukkal Vierkantdrähte geklebt.

Behandlungsplanung

Die Lücke zwischen 31 und 41 war mit 12 mm interdentalem Abstand recht gross. Nach der Auswertung der angefertigten kleinvolumigen Volumentomographieaufnahme mit einem FOV von 4x4 cm und der Planung der Implantate mit der Planungssoftware smop von Swissmeda wurde klar, dass zwei Straumann® BLT NC Implantate mit einem Durchmesser von 3.3 mm keinen Platz hatten, um genügend Abstand zu den Nachbarzähnen und zwischen den Implantaten zu wahren (Abb. 3-4). Die Implantate wurden ideal für eine prothetische Versorgung mit verschraubten Implantatkronen und deutlich hinter den Schneidekanten liegenden Schraubenkanälen geplant. Da es sich um einen Versicherungsfall handelte, wurde direkt in der Planungssoftware eine Zielvorgabe der beiden Frontzähne erstellt, indem diese digital erstellt wurden. Die Aussagekraft dieses digitalen Waxup’s entspricht in einem solchen Fall einem vom Zahntechniker analog auf dem Modell erstellten Waxup das dann digitalisiert und in die Software importiert wird (Abb. 5). Auch die Gebisssituation wurde digital mit dem Intraoralscanner erfasst und als STL Datei in den Fall eingelesen. Somit konnte in diesem Fall rein digital gearbeitet und Kosten gespart werden.


Auf die alternative Lösung eines Implantates mit einer Doppelkrone wurde wegen der grossen Lückenbreite verzichtet. Auch die Varianten mit zwei einflügeligen Klebebrücken oder einer konventionellen viergliedrigen Brücke wurden diskutiert, aber gleich wieder verworfen.


Die Entscheidung fiel zugunsten von zwei neuen Straumann® Bone Level Tapered (BLT) ø 2.9mm SC, 12 mm Implantaten, welche die gewünschten Voraussetzungen für die benötigten Abstände erfüllten (Abb. 6). Mit der gleichen Planungssoftware smop wurde auch die Bohrschablone digital konstruiert (Abb.7) und mit einem 3D Drucker von Stratasys (Object 260) mit der PolyJet Technologie gedruckt (Abb. 8).

Chirurgisches Verfahren

Nach einem Zahnrandschnitt und einem lingual geführten Kammschnitt zwischen 31 und 42 wurde ein Mukoperiostlappen gebildet (Abb. 9).


Die Aufbereitung des Bohrstollens erfolgte geführt mit dem Straumann® Guided Surgery Set und dem 2.2 mm Spiralbohrer (Abb. 10). Dann wurde der Profilbohrer verwendet und das Gewinde zu 2/3 der Implantatlänge vorgeschnitten. Da noch keine Guided BLT 2.9 mm Implantate während der Studie erhältlich waren, wurden nur die Bohrungen durch die Schablone geführt, die Implantate dann ohne Führung gesetzt und ausgerichtet (Abb. 11).


Der gesammelte Knochen aus den Bohrstollen wurde zusammen mit einem Knochenersatzmaterial bukkal der Implantat zur Resorptionsprophylaxe der etwas dünnen aber intakten Knochenwand aufgetragen.


Nach dem Einsetzen der neuen ovalen Einheilkappen erfolgte ein semisubmergter Verschluss mit einem monofilen Nahtmaterial # 6/0 ohne Periostschlitzung. Aus diesem Grund wurde auch auf eine Membran verzichtet (Abb. 12-13).


Anschliessend wurde eine postoperative Röntgenaufnahme angefertigt (Abb. 14). Auf eine provisorische Versorgung wurde wie präoperativ verzichtet.


Der Patient erhielt eine antibiotische Abschirmung mit 2 mal 1g Augmentin® (875 mg Amoxicillin/ 125 mg Clavulansäure ) für 6 Tage. Als Schmerzmittel bekam er Mefenaminsäure 500mg und zur täglichen Munddesinfektion 0.1 % Chlorhexidinspüllösung.

Es erfolgte eine chirurgische Nachkontrolle mit Nahtentfernung nach einer Woche. Eine weitere Zwischenkontrolle erfolgte nach 3 Wochen und die Abschlusskontrolle mit Freigabe der Implantate für den Prothetiker nach weiteren 4 Wochen.

 

Prothetisches Verfahren

Nach 8 wöchiger Einheilungszeit wurde somit vom überweisenden Zahnarzt (Dr. Peter Blattner, Hochdorf) die Abdrucknahme mit verschraubten Abdruckpfosten mit einem individuellen Löffel und mit einem Polyetherabdruckmaterial (Permadyne, Firma 3mEspe) mit der einzeitigen, zweiphasigen Abformmethode durchgeführt.


Nach der Herstellung der Arbeitsmodelle mit den Manipulierimplantaten und Gingivamaske, wurden die passenden neuen ovalen 1 mm Variobase® Sekundärteile von Straumann und ausbrennbaren Basen ausgewählt. Die Modellation erfolgte dann traditionell (Abb. 15, 16).


Für die Herstellung der zwei verschraubten Kronen wurden e.max Kronen mit einem MTA3 Pellet gepresst (Ivoclar / Vivadent) und auf die Variobase® Sekundärteile geklebt (Abb. 17-19) (Zahntechnisches Labor Andreas Schwab, Baar). Um wegen der schon präoperative fehlenden zentralen Papille keine zu grosse interdentale basale Lücke zu erhalten, wurden die Kronen im Halsbereich etwas breiter als normale untere Frontzähne gestaltet.

Die beiden Kronen wurden mit 25 Ncm eingesetzt und die Schrauben dann mit einer Teflonmebran abgedeckt, anschliessend wurden die Schraubenkanäle mit einem Komposit verschlossen.

Das bereits eine Woche nach dem Eingliedern der Arbeit gemachte intraorale Bild zeigt schon eine recht schöne Gingivasituation (Abb. 20-22).
Schlussröntgenbild (Abb. 23)

 

Schlussfolgerung

Die neuen Bone Level Tapered ø 2.9mm SC SLActive® Roxolid® Implantate ergänzen vorzüglich die bestehende Produktlinie von Straumann. Damit können jetzt auch schmale Lücken besser oder sogar ideal versorgt und die biologisch geforderten Abstände zwischen zwei Implantaten von 3 mm und zwischen Implantat und Nachbarzahn von 1.5 mm eingehalten werden.


Die ovalen Einheilkappen und die ebenfalls ovalen Variobase Sekundärteile ermöglichen es die Gingiva besser zu konditionieren und die natürlichen Zahnformen von schmalen Zähnen besser nachzubilden.


Mit einem kleinvolumigen DVT, einer guten Planungssoftware, einem komplett digitalen Workflow während der Planungsphase und der Herstellung einer gedruckten Bohrschablone wird ein schablonengeführter Eingriff mit geringem Aufwand und Kosten, aber mit dem Erreichen einer idealen Implantatposition möglich.