Seitenzahnrestaurationen aus der vollkristallisierten Glaskeramik (Straumann® n!ce®)

Schleifen, polieren, fertig! Indirekte Versorgungen im zahnärztlichen Workflow

Mit zunehmender Etablierung der computergestützten Zahnheilkunde in der prothetischen Therapie sowie einer steigenden Materialvielfalt verändern sich in der Praxis die Arbeitsabläufe und Vorgehensweisen. Mit der Möglichkeit einer Chairside-Fertigung erhöhen sich Patientenkomfort und Produktivität. Ein neues interessantes Material für Einzelzahnrestaurationen ist die Glaskeramik Straumann® n!ce®. Das Material wird vom Autor anhand eines Patientenfalles vorgestellt.

Dr. Johannes Beiter

Dr. Johannes Beiter

Dr. Johan­nes Bei­ter ist spe­zia­li­siert auf die Berei­che Par­odon­to­lo­gie und Implan­to­lo­gie. Seit 2012 ist er Fach­zahn­arzt für Oral­chir­ur­gie und hat einen Mas­ter of Sci­ence für Par­odon­to­lo­gie und Implantat­the­ra­pie.

Verwandte Produkte

Sicherheit, Komfort und Ästhetik – zu diesen primären Wünschen des Patienten an eine prothetische Versorgung gesellt sich das Bedürfnis nach einem effizienten Behandlungsablauf, einer hohen Wirtschaftlichkeit sowie einer geringen Zahl an Therapiesitzungen. Dank der Möglichkeiten der CAD/CAM-gestützten Fertigung können diese Ansprüche in vielen Fällen erfüllt werden. Während bei komplexen sowie ästhetisch anspruchsvollen Restaurationen (z. B. Frontzahnbereich) der Zahntechniker unerlässlich ist, können Einzelzahnrestaurationen (z. B. Inlays, Teilkronen, Kronen) in vielen Situationen innerhalb des zahnärztlichen Workflows realisiert werden. Dies hat für den Patienten u. a. den großen Vorteil, dass nur eine Therapiesitzung in Anspruch genommen werden muss. Es gibt unterschiedliche Materialien, die für eine solche Indikation geeignet sind. In der Mehrzahl handelt es sich um Werkstoffe aus der großen Familie der Glaskeramiken, die in Kombination mit der Adhäsivtechnik die Anforderungen an Zahnhartsubstanzschonung, Biokompatibilität, Stabilität und Ästhetik bestens erfüllen.

Überblick Dentalkeramik im Praxisalltag

Die Werkstoffvielfalt im prothetischen Arbeitsalltag nimmt stetig zu; insbesondere innerhalb der dentalen Keramiken. Für den Praktiker ist es wichtig, den Überblick zu behalten, um indikationsbezogen das optimale Material wählen zu können. Grob gegliedert werden Dentalkeramiken in Keramiken mit Glasphase (z. B. Silikatkeramik, glasinfiltrierte Keramik) und Keramiken ohne Glasphase, die Oxidkeramiken (z. B. Zirkonoxid). Unterschiede bestehen u. a. in den lichtoptischen Eigenschaften sowie den Materialkennwerten (z. B. Biegefestigkeit, Bruchzähigkeit). Für Chairside zu fertigende Einzelzahnrestaurationen kommt häufig eine hochfeste Glaskeramik zum Einsatz, z. B. Lithium(di)silikat-Keramik oder Lithiumsilikat-Keramik. Um das endgültige Festigkeitsniveau von 360 bis 400 MPa zu erhalten, werden diese Keramiken nach dem Schleifen kristallisiert. Zudem gibt es vorkristallisierte Rohlinge, die nur poliert werden müssen. Allerdings ist hier die Festigkeit deutlich verringert. Seit einigen Monaten ergänzt nun eine weitere Werkstoffklasse die Familie der CAD/CAM-Glaskeramiken: Lithiumalumosilikat-Keramik (Straumann n!ce).

Abb. 1 Verschiedene Fräsrohlinge Straumann® n!ce®

Abb. 1 Verschiedene Fräsrohlinge Straumann® n!ce®

Vollkristallisiert und hohe Festigkeit

Werkstoffkundlich betrachtet ist die vollkristallisierte Glaskeramik Straumann n!ce ein mit Lithiumaluminosilikat verstärktes Lithiumdisilikat. Die Biegefestigkeit beträgt 350 MPa (+/- 50). Großer Vorteil ist die einfache und effiziente Verarbeitbarkeit. Das Sortiment enthält Rohlinge in zwei Transluzenzgraden: HT (High Translucency, hochtransluzent) und LT (Low Translucency, weniger transluzent). Beide Transluzenzgrade sind in verschiedenen Farbnuancen erhältlich (Bleach, A1, A2, A3, B2 und B4 des VITA Classical-Zahnfarbenrings) und decken eine Vielzahl der Restaurationen im Praxisalltag ab. Entwickelt wurden die vollkristallisierten Fräsblöcke speziell zum Herstellen von Kronen, Teilkronen, Inlays, Onlays und Veneers. Die Rohlinge sind mit verschiedenen Block-Haltern kompatibel für unterschiedliche Fräsmaschinen (Abb. 1). Die Glaskeramik-Blöcke lassen sich also mit herkömmlichen Fräsmaschinen verarbeiten und erfordern keine Investitionen in zusätzliche Hardware oder Software. Das Material kann ohne Kristallisationsbrand beschliffen, poliert und eingesetzt werden. Das spart im Praxisalltag Zeit und Mühe. Bei Bedarf kann eine individuelle Charakterisierung erfolgen.

Patientenfall

Ausgangssituation

Der Patient wünschte die Entfernung der großflächigen Amalgamfüllungen in Ober- und Unterkiefer (Abb. 2 und 3). Er wollte vollkeramische Restaurationen, die mit möglichst geringem Aufwand hergestellt werden können. Es handelte sich um Einzelzahnrestaurationen (Teilkronen). Im oberen Seitenzahnbereich war eine Brückenversorgung indiziert, welche mit Lithiumdisilikat-Keramik umgesetzt worden ist. Alle anderen indirekten Einzelzahnrestaurationen sollten mit Straumann n!ce realisiert werden. Das Material ist biokompatibel, hat ohne einen zusätzlichen Kristallisationsbrand eine vergleichsweise hohe Festigkeit, bietet eine einfache Verarbeitbarkeit und präsentiert sich mit natürlichen lichtoptischen Eigenschaften.

Abb. 2 und 3 Der Patient wünschte den Austausch der großflächigen Amalgamfüllungen mit vollkeramischen Restaurationen

Abb. 2: Der Patient wünschte den Austausch der...

Abb. 2 und 3 Der Patient wünschte den Austausch der großflächigen Amalgamfüllungen mit vollkeramischen Restaurationen

Abb. 3: ...großflächigen Amalgamfüllungen mit vollkeramischen Restaurationen

Präparation

Ziel war eine minimalinvasive Neuversorgung innerhalb des zahnärztlichen Workflows. Es lagen keine funktionellen Störungen vor. Auch parodontal wurden keine auffälligen Befunde festgestellt. Es erfolgte ein Vitalitätstest an allen Zähnen mit positivem Ergebnis, bis auf Zahn 46. Dieser Zahn war wurzelbehandelt.

Nach der Anästhesie und dem Anlegen des Kofferdams wurden die Amalgamfüllungen entfernt und die Zähne minimalinvasiv für vollkeramische Restaurationen präpariert (Abb. 4 und 6). Die Maßgabe: Abgerundetes Design, keine Winkel oder scharfe Kanten, Schulterpräparation mit abgerundeten Kanten und/oder Hohlkehle. Als Mindestschichtstärke für Kronen und Teilkronen wird vom Hersteller 1 mm vorgegeben, was bei der Präparation beachtet worden ist.

Abb. 4: Die präparierten Zähne sind für das intraorale Digitalisieren (Intraoralkamera) vorbereitet.

Abb. 4: Die präparierten Zähne...

Abb. 5: Die präparierten Zähne sind für das intraorale Digitalisieren (Intraoralkamera) vorbereitet.

Abb. 5: ...sind für das intraorale Digitalisieren (Intraoralkamera)...

Abb. 6: Die präparierten Zähne sind für das intraorale Digitalisieren (Intraoralkamera) vorbereitet.

Abb. 6: ...vorbereitet.

Konstruktion und Schleifen

Die Situation wurde mit der Intraoralkamera „abgeformt“ respektive gescannt. Um Spiegelungen oder unerwünschte Reflektionen zu vermeiden, mussten die Zähne zuvor maximal getrocknet werden. Es folgten die bukkale Bissregistrierung (Scan) sowie der Import der Daten in die CAD-Software.

Abb. 7a:  Beispielhafte Darstellung der CAD-Konstruktion im Oberkiefer-Seitenzahnbereich

Abb. 7a: Beispielhafte Darstellung der CAD-Konstruktion...

Abb. 8a: CAD-Konstruktion im Unterkiefer

Abb. 8a: CAD-Konstruktion im Unterkiefer

Abb. 7b: Beispielhafte Darstellung der CAD-Konstruktion im Oberkiefer-Seitenzahnbereich

Abb. 7b: ...im Oberkiefer-Seitenzahnbereich

Abb. 8b: CAD-Konstruktion im Unterkiefer

Abb. 8b: CAD-Konstruktion im Unterkiefer

Die Scans wurden kontrolliert und Artefakten entfernt. Nach der virtuellen Modellberechnung und der Zuordnung der Kiefer über das Bissregistrat konnten mit wenigen Klicks die Präparationsgrenze markiert und die Einschubachse definiert werden. Bei der Konstruktion der Restaurationen bot der automatische, biogenerische Erstvorschlag der Software wertvolle Hilfe. Es folgten nur kleine Veränderungen des Erstvorschlags. In kurzer Zeit waren die Restaurationen konstruiert (Abb. 7 und 8) und die Daten an die CAM-Maschine übergeben. In der Schleifvorschau konnte das Design abschließend kontrolliert werden, z. B. auf ein Unterschreiten der Mindestwandstärke. Nun wurden die vorkristallisierten n!ce-Glaskeramikblöcke eingespannt und die Restaurationen ausgeschliffen (Abb. 9). Das Schleifen erfolgte im Feinmodus und dauerte zirka 25 Minuten.

Abb. 9 Beispielhafte Darstellung: Ausschleifen einer n!ce-Restauration

Abb. 9 Beispielhafte Darstellung: Ausschleifen einer n!ce-Restauration

Abb. 10 Beispielhafte Darstellung: Politur einer n!ce-Restauration

Abb. 10 Beispielhafte Darstellung: Politur einer n!ce-Restauration

Fertigstellung

Nach der Entnahme der ausgeschliffenen Restaurationen aus der Maschine wurden die Schleifzapfen des Rohlings mit einem feinkörnigen Diamanten entfernt. Die aus n!ce ausgeschliffenen Restaurationen zeigten fein auslaufende Ränder und eine 1:1-Wiedergabe der Konstruktion. Bei der Einprobe im Mund konnte die Passung mit sehr gut beurteilt werden. An einigen Stellen wurden die approximalen Kontaktpunkte entsprechend angepasst. Eine abschließende Politur der Restaurationen außerhalb des Mundes sorgte für Hochglanz. Für ein natürliches Aussehen können die n!ce-Restaurationen mit einem Standard-Polierset für Lithiumdisilikat-Glaskeramik poliert werden. In diesem Fall wurde ein klassisches Polierprotokoll verwendet – grobe Steinchen, Keramikpolierer, Zirkonoxidpolierpaste und Bürstchen (Abb. 10) – und danach die Restaurationen im Ultraschallbad gereinigt. Die Kronen und Teilkronen waren zum Einsetzen bereit. Ein zusätzlicher Kristallisationsbrand wie bei vergleichbaren Materialien ist bei n!ce nicht notwendig.

Einsetzen

Das Einsetzen der Restaurationen in den Mund erfolgte mit der adhäsiven Befestigung unter Kofferdamm. Für n!ce können die gleichen adhäsiven Befestigungszemente verwendet werden wie für Lithiumdisilikat. Vor dem Einsetzen wurden die keramischen Restaurationen mit Phosphorsäure (30 Sekunden) gereinigt. Die Konditionierung der Adhäsivfläche erfolgte gemäß Protokoll mit einem 20-sekündigen Etch-Bonding (5%iges Flusssäuregel). Nach Reinigung und Konditionierung der Zähne konnten die Restaurationen definitiv eingegliedert (Abb. 11 und 12) und bei einer abschließenden Kontrolle nochmals die funktionellen Kriterien überprüft werden. Die beiden kleinen Amalgamfüllungen an den Zähnen 34 und 35 sind gegen direkte Kompositfüllungen ausgetauscht worden.

Abb. 11 Die Zähne sind zum adhäsiven Eingliedern der glaskeramischen Restaurationen konditioniert

Abb. 11 Die Zähne sind zum adhäsiven Eingliedern der glaskeramischen Restaurationen konditioniert

Abb. 13 Okklusalansicht nach der Behandlung. Glaskeramische Kronen (n!ce), Kompositfüllungen und eine Brücke aus Lithiumdisilikat im Oberkiefer

Abb. 13: Okklusalansicht nach der Behandlung. Glaskeramische Kronen (n!ce), ...

Abb. 12 Eingesetzte Restaurationen im Unterkiefer

Abb. 12 Eingesetzte Restaurationen im Unterkiefer

Abb. 14 Okklusalansicht nach der Behandlung. Glaskeramische Kronen (n!ce), Kompositfüllungen und eine Brücke aus Lithiumdisilikat im Oberkiefer

Abb. 14: ...Kompositfüllungen und eine Brücke aus Lithiumdisilikat im Oberkiefer

Fazit

In Kombination mit dem Intraoralscanner und der Chairside-CAM-Maschine bietet die Glaskeramik Straumann n!ce die Möglichkeit, indirekte Einzelzahn-Restaurationen einfach, sicher und komfortabel innerhalb des zahnärztlichen Workflows herzustellen. Die Lithiumalumosilikat-Keramik wird im vollkristallisierten Zustand ausgeliefert. Ein Kristallisationsbrand ist nicht notwendig. Schleifen, polieren, fertig – der beschriebene Ablauf bietet einen hohen Komfort für den Patienten und eine hohe Produktivität im Praxisalltag.