#Regenerative 19.11.2025

GalvoSurge®-Dekontamination und regenerative Therapie: Ein Fallbericht zur Implantaterhaltung in der ästhetischen Zone

Ein klinischer Fallbericht von Kai Fischer, Deutschland

Dieser Fallbericht beleuchtet die erfolgreiche Behandlung von Periimplantitis im ästhetischen Bereich mittels elektrochemischer Implantatreinigung mit GalvoSurge® und einer regenerativen Therapie. Die gesteuerte Knochenregeneration (GBR) und ein Bindegewebstransplantat stellten die Stabilität um das Implantat regio 11 wieder her. Das Ergebnis bestätigt die Wirksamkeit dieses Ansatzes für den funktionellen und ästhetischen Implantaterhalt.

Einführung

Periimplantitis ist eine entzündliche Erkrankung biologischen Ursprungs, die durch fortschreitenden Knochenverlust um osseointegrierte Implantate gekennzeichnet ist. Bleibt sie unbehandelt, kann sie letztlich zum Verlust des Implantats führen. Die Therapie der Periimplantitis stellt eine erhebliche klinische Herausforderung dar – insbesondere dann, wenn Patienten den Erhalt des Implantats ausdrücklich wünschen und eine Entfernung mit deutlichen funktionellen oder ästhetischen Einschränkungen verbunden wäre.

Dieser Bericht beschreibt den Fall eines 45-jährigen Patienten mit Periimplantitis in regio 11, die ein erst 18 Monate zuvor inseriertes Implantat betraf. Der Patient war gesund, Nichtraucher und äußerte den klaren Wunsch, das Implantat zu erhalten. Nach dem kürzlichen Verlust des Zahns lehnte er die empfohlene Entfernung ab. Da keine systemischen Risikofaktoren vorlagen und der Defekt lokal begrenzt war, erschien ein regenerativer Ansatz als geeignete Therapieoption.

Im Zentrum des Behandlungsprotokolls stand der Einsatz des GalvoSurge® Dentalimplantatreinigungssystems. Durch elektrochemische Reinigung entfernt es Biofilm von kontaminierten Implantatoberflächen. Diese Methode ermöglicht eine In-situ-Dekontamination, ohne die Mikrostruktur des Implantats zu verändern, und eignet sich daher besonders für regenerative Verfahren. In diesem Fall wurde GalvoSurge® in Kombination mit gesteuerter Knochenregeneration und einem Bindegewebstransplantat eingesetzt, um die periimplantäre Gesundheit sowie das Volumen des Weichgewebes wiederherzustellen.

Dieser Fallbericht präsentiert die diagnostischen Befunde, die klinische Entscheidungsfindung sowie das angewandte Behandlungsprotokoll. Er zeigt, wie durch die Kombination fortschrittlicher Dekontaminations- und Regenerationstechniken unter günstigen lokalen und systemischen Voraussetzungen ein erfolgreicher Implantaterhalt bei Periimplantitis möglich ist.

Ausgangssituation

Ein 45-jähriger Patient wurde zur Behandlung einer Periimplantitis überwiesen. Er stellte sich mit wiederkehrenden Entzündungen, Blutungen und Beschwerden rund um das Implantat Regio 11 vor. Sein Hauptanliegen war die Beseitigung der Entzündung – die Ästhetik spielte für ihn eine untergeordnete Rolle. Der Patient wünschte den Erhalt des 1,5 Jahre alten Implantats, obwohl aufgrund der vertikalen Implantatposition und der parodontalen Defektsituation keine vollständige Knochenregeneration zu erwarten war. Es lagen keine erkennbaren Risikofaktoren wie systemische Erkrankungen oder Nikotinkonsum vor. Die zahnärztliche Anamnese umfasste eine generalisierte Parodontitis im Stadium III, Grad C, sowie die Extraktion von Zahn 11 infolge einer Wurzelfraktur, gefolgt von einer Sofortimplantation und provisorischen Versorgung (Abb. 1).

Abb. 1

Die Röntgenanalyse zeigte einen horizontalen Knochenverlust an den Nachbarzähnen, insbesondere mesial an Zahn 12, sowie einen kombinierten horizontalen und kraterförmigen Knochendefekt um das Implantat, das zu flach und bukkal positioniert war (Abb. 2).

Abb. 2

Das restliche Gebiss wies insgesamt eine günstige Prognose auf. Bei dem Implantat in Regio 11 wurde eine Periimplantitis diagnostiziert. Nach erfolgreicher Therapie sollte das Implantat jedoch eine gute Prognose haben. Die langfristige Stabilität hängt von konsequenten Erhaltungsmaßnahmen ab – einschließlich regelmäßiger Kontrolluntersuchungen und einer individuell abgestimmten unterstützenden Parodontaltherapie.


Behandlungsplanung

Präoperative Phase:

  • 14 Tage vor der OP: Durchführung einer nicht-chirurgischen Parodontal- und periimplantären Therapie
  • 3 Tage vor der OP: Beginn mit 0,2 % Chlorhexidin-Spülungen, dreimal täglich


Chirurgische Phase:

  • Lokalanästhesie
  • Entfernung der Krone und digitale Abformung mit Scankörper für das spätere Provisorium
  • Implantatdekontamination mit Galvosurge
  • Gesteuerte Knochenregeneration mit Maxgraft® +HyA sowie Jason® membrane
  • Einbringen eines Bindegewebstransplantats zur Weichteilunterstützung  
     

Provisorische Versorgung:

  • Sofortversorgung durch Einkleben einer Marylandbrücke
  • Drei Monate postoperativ: Eingliederung einer verschraubten provisorischen Zirkonoxidkrone  
     

Prothetische Phase (geplant):

  • Endgültige Versorgung nach weiterer Hart- und Weichgewebereifung durch den überweisenden Zahnarzt

Chirurgisches Verfahren

Vierzehn Tage vor dem Eingriff erhielt der Patient eine nicht-chirurgische Parodontaltherapie, bestehend aus mechanischem Debridement sowie subgingivaler Instrumentierung mit Ultraschall und Handinstrumenten. Ziel war es, die lokale mikrobielle Belastung zu reduzieren und die gingivale Entzündung zu kontrollieren. Diese präoperative Maßnahme war entscheidend, um das periimplantäre Weichgewebemilieu zu optimieren und ein vorhersehbares Operationsergebnis zu ermöglichen.

Drei Tage vor dem Eingriff wurde der Patient angewiesen, dreimal täglich eine Mundspülung mit 0,2 % Chlorhexidindigluconat anzuwenden. Diese Maßnahme diente als chemische Unterstützung zur Reduktion der bakteriellen Besiedlung und zur Sicherstellung eines sauberen Operationsfeldes. Die Mundhygieneinstruktionen wurden zusätzlich intensiviert, und der Patient zeigte in der Vorbereitungsphase eine ausgezeichnete Compliance.

Am Tag des Eingriffs erfolgte die Lokalanästhesie mit Articain mit Epinephrin, um eine zuverlässige Schmerzkontrolle und Blutstillung sicherzustellen. Anschließend wurde die Krone entfernt und eine digitale Abformung mit Scankörper für das spätere Provisorium durchgeführt. Der Patient legte besonderen Wert auf eine ästhetisch ansprechende provisorische Versorgung (Abb. 3–8).

Ein Mukoperiostlappen in voller Dicke wurde gehoben, um das betroffene Implantat und den umgebenden Knochendefekt freizulegen. Die klinische Untersuchung bestätigte einen kombinierten horizontalen und kraterförmigen periimplantären Defekt, wie bereits auf den Röntgenaufnahmen erkennbar war (Abb. 9).

Abb. 9

Die freiliegende Implantatoberfläche wurde mit dem GalvoSurge® Dentalimplantatreinigungssystem gründlich desinfiziert. Dieses elektrochemische Verfahren erzeugt Wasserstoffbläschen direkt an der Implantatoberfläche, die den Biofilm sowie andere Verunreinigungen mechanisch ablösen, ohne die Titanmikrostruktur zu beeinträchtigen. Dadurch wird eine effektive und zugleich schonende Reinigung erreicht, die ein günstiges Umfeld für eine mögliche Re-Osseointegration und regenerative Heilung schafft (Abb. 10–12).

Nach der Dekontamination wurde eine gesteuerte Knochenregeneration (GBR) zur Behandlung des Defekts durchgeführt. Zur Defektfüllung kam das partikuläre Allograftmaterial Maxgraft® in Kombination mit HyA (maxgraft® +HyA) zum Einsatz, das osteokonduktive Gerüsteigenschaften bietet. Anschließend wurde der Bereich mit einer resorbierbaren Kollagenmembran (Jason® membrane) abgedeckt, um das Knochenersatzmaterial zu stabilisieren, die selektive Zellneubildung zu fördern und eine Weichteilinvasion in die Transplantationsstelle zu verhindern (Abb. 13–14).

Um das Weichgewebeprofil weiter zu optimieren und die langfristige periimplantäre Stabilität zu fördern, wurde ein Bindegewebstransplantat entnommen und über der augmentierten Stelle platziert. Das Transplantat erhöhte die Schleimhautdicke und unterstützte den Wundverschluss, was zu einem ästhetisch und funktionell überzeugenden Ergebnis führte (Abb. 15–17).

Der Operationsbereich wurde sorgfältig vernäht, um einen primären, spannungsfreien Verschluss des Lappens zu erreichen. Im Anschluss erhielt der Patient detaillierte postoperative Pflegeanweisungen, und es wurde eine periapikale Kontrollröntgenaufnahme angefertigt. Zur Überwachung des Heilungsverlaufs wurde eine engmaschige Nachkontrolle vereinbart (Abb. 18–20).

Unmittelbar nach der Operation wurde eine Marylandbrücke als vorübergehende Versorgung eingesetzt.


Prothetisches Verfahren

Zwei Wochen nach dem Eingriff wurden die Nähte entfernt, und die Wundheilung verlief zufriedenstellend (Abb. 21).

Abb. 21

Drei Monate postoperativ wurde die Marylandbrücke entfernt; auch die Weichteilheilung zeigte ein gutes Ergebnis (Abb. 22–24).

Anschließend wurde eine verschraubte provisorische Zirkonoxidkrone eingesetzt. Die provisorischen Restaurationen wurden für optimale Passform und Ästhetik gefräst und basierten auf dem digitalen Scan, der während der chirurgischen Periimplantitis-Behandlung erstellt worden war (Abb. 25–26).

Die definitive Krone setzte der überweisende Zahnarzt ein, und der Patient war mit dem Ergebnis sehr zufrieden (Abb. 27).

Abb. 27


Behandlungsergebnisse

Das Behandlungsprotokoll führte zu einer deutlichen Reduktion der parodontalen Entzündung, was auf die gründliche nicht-chirurgische Therapie und die konsequenten Mundhygienemaßnahmen in der präoperativen Phase zurückzuführen ist. Die zusätzliche Anwendung von 0,2 % Chlorhexidin-Spülungen vor der Operation senkte die mikrobielle Belastung effektiv und trug zu einem angenehmeren Operationsumfeld bei. Intraoperativ wurde die Implantatoberfläche erfolgreich mit dem GalvoSurge® Dentalimplantatreinigungssystem desinfiziert. Dieses Verfahren ermöglichte die gründliche Entfernung des Biofilms, ohne die Integrität der Implantatoberfläche zu beeinträchtigen – ein entscheidender Schritt zur Minimierung des Infektionsrisikos und zur Schaffung optimaler Bedingungen für die Re-Osseointegration.

Die gesteuerte Knochenregeneration (GBR) wurde erfolgreich durchgeführt und führte zu einem stabilen Knochenvolumen um die Implantationsstelle. Die Kombination aus Maxgraft® +HyA und der Jason® membrane bot sowohl osteokonduktive Unterstützung als auch eine zuverlässige Schutzbarriere für die Geweberegeneration. Zusätzlich erhöhte das eingebrachte Bindegewebstransplantat die Weichgewebedicke, förderte die mukogingivale Stabilität und trug zu einem ästhetisch überzeugenden Ergebnis im Frontzahnbereich bei.

Die funktionelle und ästhetische Kontinuität während der Heilungsphase wurde durch eine sofortige provisorische Versorgung mit einer Marylandbrücke sichergestellt. Drei Monate postoperativ erfolgte die Eingliederung einer verschraubten provisorischen Zirkonoxidkrone, die sowohl Stabilität als auch ein natürliches Erscheinungsbild bietet und gleichzeitig die weitere Gewebereifung unterstützt. Die endgültige prothetische Versorgung ist nach vollständiger Osseointegration und Weichteilstabilisierung geplant, um den langfristigen Implantaterfolg und eine hohe Patientenzufriedenheit zu gewährleisten.


Erfahrungsbericht des Autor

Meiner klinischen Erfahrung nach bietet GalvoSurge® eine hochwirksame und vorhersehbare Methode zur Dekontamination von Implantatoberflächen bei Periimplantitis. Die elektrolytische Reinigungstechnologie ermöglicht eine gründliche Entfernung von Biofilmen, ohne die Implantatoberfläche zu beschädigen. Dies unterstützt die Re-Osseointegration und verbessert die langfristigen Behandlungsergebnisse.